Was ist eine Koronektomie?
In der Fachliteratur wird die Koronektomie auch als bewusste partielle Odontektomie bezeichnet. Die zur Mundhöhle gerichtete Krone des verlagerten unteren Weisheitszahns wird knapp unterhalb der Schmelz-Zement-Grenze abgetrennt und entfernt; die Wurzeln bleiben im Kieferknochen, verbunden mit den sie versorgenden Gefäßstrukturen. Die Wurzeln werden weder berührt noch bewegt – so wird auch der Nerv in ihrer Nähe nicht manipuliert.
Das Verfahren ist eine Zwischenlösung, die gewählt wird, wenn „das Nervrisiko einer vollständigen Entfernung größer ist als das Risiko, die Wurzeln zu belassen“. Chirurgische Lehrbücher empfehlen, bei tief verlagerten Zähnen und bei älteren Patienten mit hohem Verdacht auf Nervverletzung die Option der Koronektomie in Betracht zu ziehen.
Warum eine Koronektomie statt vollständiger Entfernung?
Der Unterkiefernerv versorgt Unterlippe und Kinn mit Gefühl und verläuft direkt unter oder neben den Wurzeln des unteren Weisheitszahns. Berühren die Wurzeln den Kanal, engen sie ihn ein oder scheint der Kanal durch die Wurzel zu verlaufen, steigt bei der vollständigen Entfernung das Risiko einer Quetschung oder Dehnung des Nervs.
In der Literatur wird eine Nervbeeinträchtigung nach der Entfernung unterer Weisheitszähne mit Häufigkeiten zwischen 0,4 und 7,5 % angegeben. Auch wenn die meisten Fälle vorübergehend sind, kann eine dauerhafte Taubheit die Lebensqualität beeinträchtigen. Ziel der Koronektomie ist es, gerade in dieser Hochrisikogruppe den Teil, der den Nerv berührt, gar nicht anzutasten.
Wie erkennt man die Nähe zum Nerv?
Im Panoramaröntgenbild können folgende Befunde auf eine enge Beziehung zwischen Wurzel und Nervkanal hinweisen:
- Aufhellung (Dunkelfärbung) der Wurzelspitze auf Höhe des Kanals
- Verengung oder Richtungsänderung des Kanals auf Höhe der Wurzel
- Verlust der weißen Linie, die die obere Begrenzung des Kanals markiert
- Verengung oder Abknickung der Wurzel auf Höhe des Kanals
Ist einer dieser Befunde erkennbar, wird eine dreidimensionale digitale Volumentomografie (DVT/CBCT) empfohlen. Strukturen, die sich im zweidimensionalen Bild überlagern, können sich in der DVT als tatsächlich wangen- oder zungenseitig benachbart erweisen; dann kann doch eine klassische Entfernung geplant werden.
Für wen ist eine Koronektomie geeignet?
- Patienten mit einem verlagerten unteren Weisheitszahn, dessen Wurzeln in der DVT engen Kontakt zum Unterkiefernerv zeigen
- Patienten, deren Zahn wegen Karies der Krone, wiederkehrender Zahnfleischentzündung (Perikoronitis) oder Schädigung des Nachbarzahns entfernt werden muss, deren Wurzeln aber gesund sind
- Ältere Patienten mit höherem Risiko einer Nervverletzung
- Sehr tief verlagerte Zähne, bei denen bei vollständiger Entfernung ein Kieferbruchrisiko zu erwarten ist (ausgewählte Fälle)
Für wen ist sie nicht geeignet?
Die Koronektomie eignet sich nicht für jeden nervnahen Zahn. Damit die belassenen Wurzeln problemlos bleiben können, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein:
- Bei Entzündung, Abszess oder Zyste an der Wurzelspitze
- Wenn der Zahn locker ist; die Wurzeln könnten sich beim Abtrennen der Krone bewegen
- Wenn die Wurzeln später eine kieferorthopädische Zahnbewegung oder eine geplante Versorgung behindern würden
- Wenn der Zahn horizontal liegt und der Nerv nahe der Krone verläuft (beim Trennen könnte man sich dem Nerv nähern)
- In Situationen, in denen das Risiko, dass die verbliebene Wurzel zur Infektionsquelle wird, nicht akzeptabel ist – etwa bei stark immungeschwächten Patienten oder nach/vor einer Strahlentherapie des Kiefers
Wie läuft eine Koronektomie ab?
- Planung: Die Beziehung zwischen Wurzel und Nerv wird mit einer DVT beurteilt, Optionen und Risiken werden mit dem Patienten besprochen und eine schriftliche Einwilligung eingeholt.
- Anästhesie: Der Eingriff erfolgt meist unter örtlicher Betäubung.
- Zugang: Das Zahnfleisch wird abgelöst und der Knochen um die Krone so weit wie nötig entfernt.
- Abtrennen der Krone: Die Krone wird unterhalb der Schmelz-Zement-Grenze vollständig abgetrennt und entfernt. Die verbleibende Wurzeloberfläche wird einige Millimeter unter das Knochenniveau geglättet.
- Verschluss: Der Bereich wird gespült und das Zahnfleisch so vernäht, dass es die Wurzeln bedeckt.
Da die Wurzeln mit lebendem Gewebe verbunden bleiben, können sie mit der Zeit von Knochen überdeckt werden. Der Patient wird stets klar darüber informiert, dass eine Koronektomie durchgeführt und die Wurzeln bewusst belassen wurden.
Koronektomie oder vollständige Entfernung?
| Merkmal | Vollständige operative Entfernung | Koronektomie |
|---|---|---|
| Entfernter Teil | Krone und sämtliche Wurzeln | Nur die Krone |
| Nervrisiko bei nervnahen Wurzeln | Höher | Meist geringer |
| Wahrscheinlichkeit eines späteren Zusatzeingriffs | Sehr gering | Bei wenigen Patienten zweiter Eingriff wegen Wurzelwanderung oder Infektion |
| Geeignet bei | Wurzel fern vom Nerv oder Wurzelpathologie vorhanden | Wurzel nah am Nerv, Wurzeln gesund |
| Nachsorge | Standardkontrolle | Regelmäßige Röntgenkontrollen |
Welche Risiken gibt es?
- Wurzelwanderung: Die verbliebenen Wurzeln können mit der Zeit nach oben – weg vom Nerv – wandern. Das ist meist kein Problem; tritt die Wurzel jedoch in die Mundhöhle durch, lässt sie sich, da sie sich nun vom Nerv entfernt hat, mit einem einfacheren Eingriff entfernen.
- Infektion oder schmerzhafte Heilung: Bei wenigen Patienten kann sich um die verbliebene Wurzel eine Entzündung entwickeln, sodass die Wurzeln entfernt werden müssen.
- Trockene Alveole und Schwellung: Können wie bei jeder Weisheitszahn-OP auftreten.
- Das Nervrisiko ist nicht null: Die Koronektomie soll das Risiko verringern; beseitigen kann sie es nicht.
Wie wird über eine Koronektomie entschieden?
Die Koronektomie ist kein Standardeingriff, der jedem Patienten gleichermaßen empfohlen wird. Bei der Entscheidung werden gemeinsam berücksichtigt, warum der Zahn entfernt werden muss, der Abstand zwischen Wurzel und Nerv, Alter und allgemeiner Gesundheitszustand des Patienten, geplante kieferorthopädische oder prothetische Behandlungen sowie die Wünsche des Patienten. Für manche Patienten kann auch eine regelmäßige Kontrolle ohne Entfernung eine Option sein – vor allem bei Zähnen, die keinerlei Beschwerden verursachen, keine Entzündungszeichen zeigen und vollständig im Knochen liegen.
Deshalb werden bei der Untersuchung meist drei Optionen zusammen besprochen: Beobachtung, vollständige operative Entfernung und Koronektomie. Nachdem die möglichen kurz- und langfristigen Folgen jeder Option erläutert wurden, wird die Entscheidung gemeinsam mit dem Patienten getroffen.
Heilung und Nachsorge nach einer Koronektomie
Die erste Woche verläuft ähnlich wie nach einer klassischen Weisheitszahnentfernung: Leichte bis mäßige Schwellung, einige Tage Schmerzen und eine eingeschränkte Mundöffnung sind zu erwarten. Die Pflegeregeln sind dieselben wie bei anderen Extraktionen. Kontrollröntgenbilder werden meist nach dem ersten Monat, nach dem ersten Jahr und danach in den vom Zahnarzt empfohlenen Abständen angefertigt. Dabei werden die Lage der Wurzeln und der Zustand des umgebenden Knochens beobachtet.
In der Yayla Dental Akademi in Istanbul werden nervnahe Weisheitszähne dreidimensional mittels DVT beurteilt; vollständige Entfernung und Koronektomie werden dem Patienten mit ihren Vor- und Nachteilen erklärt, und die Entscheidung wird gemeinsam getroffen.
Häufig gestellte Fragen
Warum werden bei der Koronektomie die Wurzeln nicht entfernt?
Liegen die Wurzeln sehr nah am Unterkiefernerv, kann ihr Bewegen den Nerv schädigen. Solange die Wurzeln mit lebendem Gewebe verbunden und gesund sind, verursacht ihr Verbleib in der Regel keine Probleme und wird regelmäßig röntgenologisch kontrolliert.
Können die verbliebenen Wurzeln später Probleme machen?
Bei den meisten Patienten nicht. Bei wenigen Patienten können die Wurzeln nach oben wandern oder sich entzünden; dann lassen sie sich meist in einem sichereren zweiten Eingriff entfernen, da sie sich vom Nerv entfernt haben.
Ist eine Koronektomie bei jedem Weisheitszahn möglich?
Nein. Bei Entzündung oder Zyste an der Wurzelspitze, bei einem lockeren Zahn oder wenn die allgemeine Gesundheit ein Infektionsrisiko birgt, ist sie nicht geeignet. Die Entscheidung fällt nach DVT (CBCT) und Untersuchung.
Beseitigt die Koronektomie das Risiko einer Nervschädigung vollständig?
Nein, das lässt sich nicht sagen; da der Bereich, der die Wurzel berührt, jedoch unangetastet bleibt, soll das Risiko bei geeigneten Patienten verringert werden.
Unterscheidet sich die Heilungsdauer von einer normalen Entfernung?
Die erste Woche verläuft meist ähnlich wie bei einer klassischen Entfernung eines verlagerten Zahns. Der Unterschied besteht darin, dass der Zustand der Wurzeln über die Jahre mit regelmäßigen Röntgenaufnahmen verfolgt wird.
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Quellen: Abubaker AO, Benson KJ (eds). Oral and Maxillofacial Surgery Secrets. 2nd ed. Mosby Elsevier; 2007 · Miloro M, Ghali GE, Larsen PE, Waite PD (eds). Peterson’s Principles of Oral and Maxillofacial Surgery. 2nd ed. BC Decker; 2004 · Wayland J. Impacted Third Molars. 1st ed. Wiley-Blackwell; 2018 · Fragiskos FD (ed). Oral Surgery. Springer; 2007.
Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information; Diagnose und Behandlungsplan werden nur nach einer Untersuchung durch den Zahnarzt festgelegt.


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\"Dr. Dt. Mehmet Fuat Bozaba, İstanbul Medipol Üniversitesi Periodontoloji Anabilim Dalı\'nda doktorasını tamamlamış uzman diş hekimidir. Bahçelievler\'de Yayla Dental Akademi bünyesinde ileri klinik uygulamalarla hizmet vermektedir. Temel uzmanlık alanları arasında dental implantlar, Khoury ve Urban teknikleriyle ileri kemik rejenerasyonu ve diş eti çekilmelerinin tedavisi (pembe estetik) yer almaktadır. Bugüne kadar 1000\'den fazla implant ve gömülü yirmilik yaş diş cerrahisi ile 700\'ü aşkın diş eti grefti operasyonunu başarıyla gerçekleştirmiştir. Sağlık turizmi kapsamında yurt dışından gelen hastalar için ileri düzeyde İngilizce dilinde tedavi imkanı sunmaktadır.\"
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