
Worin unterscheiden sich die beiden Konzepte?
Beide Verfahren ersetzen einen kompletten zahnlosen Kiefer durch eine verschraubte Brücke auf Implantaten. Beim All-on-4-Konzept werden zwei Implantate vorne gerade und zwei hinten geneigt gesetzt, um Kieferhöhle und Nervkanal zu umgehen und dennoch eine möglichst große Abstützungslänge zu erreichen; die hinteren Backenzähne hängen als Extension an der Brücke. Beim All-on-6-Konzept werden zwei zusätzliche Implantate im Seitenzahnbereich gesetzt, sodass die Brücke bis zu den Backenzähnen abgestützt ist und die Extensionen kürzer ausfallen oder entfallen. Geneigte Implantate mit abgewinkelten Aufbauten sind nach Resnik und Misch (2018) erfolgreich dokumentiert – mit dem Zusatz, dass „chirurgische Erfahrung und Fallauswahl entscheidend“ sind.
Die fünf Kriterien, die wir prüfen
1. Ober- oder Unterkiefer
Der wichtigste Unterschied liegt im Knochen. Der hintere Oberkiefer besteht überwiegend aus weichem Knochen der Klasse D4, der nach Resnik und Misch (2018) fünf- bis zehnmal weniger belastbar ist als der vordere Unterkiefer. Dieselbe Quelle gibt für Vollkieferversorgungen im Oberkiefer eine dreimal höhere Misserfolgsrate an als im Unterkiefer und empfiehlt, im Oberkiefer ein Implantat in der Position des ersten Backenzahns vorzusehen. Hupp, Ellis und Tucker (2014) nennen für rein implantatgetragene Versorgungen mindestens vier Implantate im Unterkiefer und sechs im Oberkiefer als Empfehlung. Im Unterkiefer zwischen den beiden Nervaustrittspunkten ist der Knochen dagegen dicht, und vier Implantate können nach Resnik und Misch (2018) eine festsitzende Brücke tragen, wenn die Kräfte gering sind: kein Knirschen, Kronenhöhe unter 15 mm, Knochen der Klasse D2.
2. Kaukraft und Knirschen
Zähnepressen und Knirschen vervielfachen die Belastung. Resnik und Misch (2018) raten bei mittlerem bis starkem Bruxismus von vier Implantaten unter einer Vollbrücke ab und empfehlen mehr Implantate, kürzere Extensionen und eine nächtliche Schutzschiene. Auch ein Gegenkiefer mit eigenen Zähnen oder einer implantatgetragenen Brücke erzeugt deutlich höhere Kräfte als eine herausnehmbare Prothese.
3. Kronenhöhe
Ist viel Knochen verloren gegangen, muss die Brücke Knochen und Zahnfleisch mit ersetzen; sie wird höher, und jede Kraft wirkt über einen längeren Hebel. Bei einer Kronenhöhe über 15 mm empfehlen Resnik und Misch (2018), auf Extensionen zu verzichten oder sie zu verkürzen und die Implantatzahl zu erhöhen – ein Argument für sechs Implantate in stark abgebauten Kiefern.
4. Sicherheitsreserve
„Die Zahl der Implantate sollte selten das Minimum sein. Es gibt keinen Sicherheitsfaktor, wenn ein Implantat ausfällt.“ Dieser Satz aus Resnik und Misch (2018) beschreibt den Kern der Entscheidung. Bei vier Implantaten unter zwölf Zähnen lassen sich die klassischen Positionsregeln – Implantat am Eckzahn, nie mehr als drei Brückenglieder frei – nicht einhalten. Verliert ein Patient eines von vier Implantaten, ist die Brücke in ihrer geplanten Form meist nicht mehr nutzbar; bei sechs Implantaten kann sie häufig auf den verbleibenden fünf weitergetragen werden, bis ersetzt wurde. Eine Finite-Elemente-Analyse, die dieselbe Quelle zitiert, zeigte mit sechs statt vier Implantaten eine um 7 bis 29 Prozent geringere Spannung im Knochen und eine günstigere Verteilung auf Schrauben, Gerüst und Komponenten.
5. Knochenangebot im Seitenzahnbereich
Sechs Implantate setzen voraus, dass hinten genügend Knochen vorhanden ist. Im Oberkiefer entscheidet die Resthöhe unter der Kieferhöhle: Bei unter 5 mm wird nach Resnik und Misch (2018) zuerst ein Sinuslift durchgeführt und später implantiert; ab etwa 5 mm und ausreichender Dichte ist ein gleichzeitiges Vorgehen möglich. Genau hier liegt der Grund, warum All-on-4 entwickelt wurde: Die Neigung der hinteren Implantate kann den Sinuslift vermeiden. Ob das in Ihrem Fall ohne statische Nachteile gelingt, zeigt nur die DVT.
Eine praktische Orientierung
- Vier Implantate kommen eher in Frage: Unterkiefer, dichter Knochen, moderate Kaukraft, Gegenkiefer mit Prothese, Kronenhöhe unter 15 mm, Nichtraucher.
- Sechs Implantate sind eher sinnvoll: Oberkiefer, weicher Knochen, Knirschen oder Pressen, implantatgetragener oder natürlich bezahnter Gegenkiefer, hohe Kronenhöhe, Wunsch nach Sicherheitsreserve.
- Fünf Implantate sind kein Kompromiss „aus dem Katalog“, sondern ergeben sich manchmal aus dem Knochenangebot.
- Keine festsitzende Lösung ohne Vorbereitung: aktive Parodontitis an Restzähnen, nicht eingestellte Allgemeinerkrankungen, starkes Rauchen ohne Pause.
Ablauf und Besuchsplan
Nach einer Voreinschätzung per WhatsApp (Panoramaröntgen oder Fotos) folgen in Istanbul DVT, Abformung und Planung. Beim ersten Aufenthalt werden Restzähne entfernt, Implantate gesetzt und – bei ausreichender Stabilität – ein verschraubtes Provisorium eingegliedert; dafür sind in der Regel sieben bis zehn Tage sinnvoll. Nach einer Einheilung von meist drei bis sechs Monaten folgt ein zweiter Aufenthalt von etwa sieben bis zehn Tagen für die endgültige Brücke. Wird ein Sinuslift vorgeschaltet, verlängert sich der Gesamtzeitraum. Wie die ersten Monate mit dem Provisorium ablaufen, beschreiben wir auf der Seite All-on-4-Provisorium und die ersten drei Monate. Bei Unterkunft und Transfer helfen wir mit Empfehlungen; verbindliche Termine nennen wir nach der Untersuchung.
Risiken und Pflege – bei beiden Konzepten
Die Komplikationen ähneln sich: Schraubenlockerung, Abplatzungen der Verblendung, Brüche des Kunststoffs an den Extensionen bei Knirschern, Sprachprobleme in den ersten Wochen (nach Resnik & Misch, 2018, bei etwa 4–8 Prozent) und periimplantäre Entzündungen. Pjetursson et al. (2012) berichten für festsitzende Implantatbrücken Überlebensraten von 95,4 Prozent nach fünf und 80,1 Prozent nach zehn Jahren. Die Hygiene unter der Brücke mit Superfloss, Interdentalbürsten und Munddusche sowie Kontrollen im ersten Jahr alle drei bis vier Monate sind bei vier wie bei sechs Implantaten unverzichtbar.
Was bestimmt die Kosten?
Neben der Implantatzahl: ob Zähne entfernt werden müssen, ob ein Knochenaufbau oder Sinuslift nötig ist, das Implantatsystem, das Material der endgültigen Brücke (Kunststoff auf Titan, Zirkon monolithisch oder verblendet), das Provisorium und die Zahl der Aufenthalte. Konkrete Zahlen nennen wir erst nach DVT; die Faktoren erklärt die Seite Preise und Ratenzahlung.
Worauf Sie bei der Suche nach „All-on-4 oder All-on-6 Istanbul“ achten sollten
- Wird die Implantatzahl mit Knochen, Kaukraft und Kiefer begründet – oder als Paket verkauft?
- Wird im Oberkiefer über Knochenqualität und Sinuslift gesprochen?
- Erfahren Sie, was im Fall eines Implantatverlusts geschieht?
- Ist das Provisorium klar als Übergangslösung benannt?
- Gibt es einen Nachsorgeplan, der auch mit Ihrem Hauszahnarzt funktioniert?
Häufige Fragen
Reichen vier Implantate für einen ganzen Kiefer?
Im Unterkiefer bei gutem Knochen und normaler Kaukraft kann das ausreichen. Im Oberkiefer ist der Knochen weicher und der Misserfolg von Vollkieferversorgungen etwa dreimal häufiger, weshalb die Lehrbücher dort meist mehr Implantate empfehlen.
Was passiert, wenn bei All-on-4 ein Implantat verloren geht?
Die Brücke verliert eine ihrer vier Stützen und kann in der Regel nicht wie geplant weiterbenutzt werden; oft muss ein neues Implantat gesetzt und das Provisorium angepasst werden. Sechs Implantate bieten hier eine Reserve.
Brauche ich für All-on-6 im Oberkiefer einen Sinuslift?
Sechs Implantate bedeuten meist, dass auch der hintere Oberkiefer genutzt wird. Reicht die Knochenhöhe dort nicht, kann ein Sinuslift nötig sein – oder man weicht auf geneigte Implantate aus. Das zeigt sich erst in der DVT.
Ist All-on-6 immer haltbarer als All-on-4?
Nicht automatisch. Mehr Implantate verteilen die Kräfte besser und bieten eine Sicherheitsreserve, aber Hygiene, Rauchen, Knirschen und Nachsorge beeinflussen die Haltbarkeit mindestens ebenso stark.
Wie wird die Entscheidung in der Klinik getroffen?
Anhand der DVT (Knochenvolumen und -dichte), der Kronenhöhe, der Kaukraft, des Gegenkiefers, des Rauchverhaltens und Ihrer Wünsche. Erst daraus ergibt sich, ob vier, fünf oder sechs Implantate sinnvoll sind.
Bekomme ich noch am Tag der Operation Zähne?
Bei ausreichender Primärstabilität kann ein verschraubtes Provisorium innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen eingesetzt werden. Es ist ein Übergangszahnersatz; die endgültige Brücke folgt nach der Einheilung.
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Fachlich geprüft von Dr. Dt. Mehmet Fuat Bozaba, Chefarzt, tätig in Parodontologie und Kieferchirurgie. Stand: Oktober 2026. Diese Seite ersetzt keine persönliche Untersuchung.
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Quellen
- Resnik, R. R., & Misch, C. E. (2018). Misch’s avoiding complications in oral implantology. Elsevier. ISBN 9780323375801
- Hupp, J. R., Ellis, E., & Tucker, M. R. (2014). Contemporary oral and maxillofacial surgery (6th ed.). Elsevier Mosby. ISBN 9780323091770
- Misch, C. E. (2015). Dental implant prosthetics (2nd ed.). Elsevier Mosby. ISBN 9780323078450
- Pjetursson, B. E., et al. (2012). A systematic review of the survival and complication rates of implant-supported fixed dental prostheses. Clinical Oral Implants Research. PMID 23062125
- Adell, R., et al. (1981). A 15-year study of osseointegrated implants in the treatment of the edentulous jaw. International Journal of Oral Surgery. PMID 6809663
- Albrektsson, T., et al. (1986). The long-term efficacy of currently used dental implants. International Journal of Oral & Maxillofacial Implants. PMID 3527955
- Monje, A., et al. (2016). Impact of maintenance therapy for the prevention of peri-implant diseases: A systematic review and meta-analysis. Journal of Dental Research. PMID 26701350
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